Vor was läufst du davon?

Vor was läufst du davon?

 

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich vor nichts davonlaufe. Und das mache ich ja wortwörtlich. Um dies jedoch zu verstehen, müssen wir in meiner Geschichte etwas zurückgehen und ich muss euch ein bisschen was aus meinem Leben erzählen.

Ein Wende Punkt ist bestimmt der Juli 2015 denn dann schliesse ich meine Lehre als Fachmann Gesundheit im Kantonsspital Luzern ab. Doch da war ich schon mittendrin in der Misere. Begonnen hat das ganze ca. ein Jahr früher und zwar mit dem Kiffen. Ich war damals 17 Jahre alt und hatte schon das ein oder andere Mal gekifft. Doch zu Beginn des dritten Lehrjahres nahm mein Cannabiskonsum extrem zu. Warum dies so war, kann ich nicht genau sagen. Da ich ein Lehrjahr weiter war verdiente ich jetzt mehr und hatte mehr Geld zur Verfügung. Dann kam noch hinzu, dass ich fast nur noch mit einem Freund abhing, wir sassen Stundenlang in seinem Auto am Waldrand, rauchten Zigaretten bis zum Filter, fuhren durch das ganze Michelsamt und waren bis in die späten Abendstunden unterwegs. Wohlbemerkt, es war eine schöne Zeit und mit besagtem Kollege habe ich selten gekifft.

Ich war schon immer der Typ, der lieber alleine rauchte, konnte mehr vom Rausch profitieren, wenn ich alleine war. Ich kam eher durch andere Kollegen ins Kiffen rein, obwohl ich bestimmt auch der war, der viele zum Kiffen animierte und immer noch für einen Joint zu haben war.

Und wie das beim Kiffen so ist, macht es gewissen Leuten gar nichts und spüren keine Nebenwirkungen, und dann gibt es eben noch diese, die mit den Nebenfolgen wie Motivationslosigkeit, depressiven Verstimmungen, sozialer Rückzug etc. zu kämpfen haben. Viel zu spät habe ich erkannt, dass ich zur zweiten Gruppe gehöre. Und viel zu spät habe ich gemerkt, dass ich süchtig nach dem Zeug war.

Diese Nebenwirkungen führten bei mir dazu, dass ich mich von bisherigen sehr guten Freund abschottete, mich allgemein zurückzog, faul und undiszipliniert wurde. Zuverlässig konnte ich mich auch nicht mehr nennen, liess Termine einfach so sausen, mich interessierte das Ganze nicht mehr, was sich auch auf die Schule auswirkte.

Ich absolvierte die Lehre mit der Berufsmaturität, was bis zum zweiten von drei Lehrjahren notentechnisch ganz gut lief. Doch wie schon gesagt änderte sich im 3. Lehrjahr, also 2014/2015, einiges.

Die Berufsmaturität interessierte mich im dritten Lehrjahr rein gar nichts mehr, mein Ziel war es mit Ach und Krach die Ausbildung zu bestehen. Ich lernte nichts mehr, bereitet mich weder auf Prüfungen noch Referate vor.

Im dritten Lehrjahr wurden meine Gedanken immer dunkler, besonders gegen das Ende hin. Ich begann langsam zu erkennen, was ich für Chancen verpasst hatte. Doch alle Sorgen und Ängste kiffte ich weg. Und das wurde immer mehr am Tag, die Joints immer dicker und länger.

Nach dem Abschluss meiner Ausbildung konnte ich in einem Altersheim in Luzern arbeiten, das lief die ersten zwei Monate gut, dann erschien ich vom einen auf den anderen Tag nicht mehr zur Arbeit. Kündigung.

Durch Vitamin B konnte ich dann in der Hirslandenklinik St. Anna in Luzern schnell wieder als FaGe arbeiten gehen.

Die ganze Zeit über ging es mir schlechter. Ich war unzufrieden, konnte (und kann auch heute noch) nicht mit Geld umgehen. Wollte etwas haben, das ich eh nie erreichen konnte. Ich war ein richtiger Kiffer geworden, die ganze Zeit vernebelt im Kopf. Was bei mir noch speziell ist, ist, dass ich den Hangover, als den Tag danach, extrem spüre. Ich bin dann jeweils sehr motivations- und antriebslos.

 

Ich setzte alles auf die Armee, mit dem Ziel später einmal Polizist zu werden, obwohl ich eigentlich genau wusste, dass das nicht ging, da mich die Cops bereits einmal mit Gras erwischt haben. Im Frühling 2016 war es dann so weit. Infanterie Aufklärer. Genau 2 Wochen hielt ich durch, dann wollte ich mir eine Kugel in den Kopf schiessen. Der ganze Stress, die körperliche Anstrengung, die hohen Anforderungen an mich selbst, dass war alles zu viel. Doppel-UT.

Anschliessend sah ich mich so als Verlier an und war so suizidal, dass ich das erste Mal in eine Klinik eingewiesen wurde. Nach einer Woche dachte ich jedoch, das war genug, und trat wieder aus. Ich war dann ca. 2 Monate arbeitslos, bevor ich die heutige Stelle antreten konnte, lustiger weise als Pfleger in einer Psychiatrie. Das war im Juni 2016. Die Arbeitsstelle war perfekt, und ist sie auch heute noch. Tolle Mitarbeiterinnen und eine spannende Klientel.

Trotzdem schlummerte in mir drinnen etwas. Eine Unzufriedenheit, gepaart mit Zukunftsängsten. Diese habe ich jedoch immer weggekifft, was mich auch einiges an Geld kostete.

Im Januar 2017 war es dann so weit. Ich konnte nicht mehr. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle, was dazu führte, dass per FU in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde. Zwei Monate war ich krankgeschrieben, doch nicht wirklich viel änderte sich. Während dem Aufenthalt, war ich zwar clean, doch sobald ich raus war, ging das Kiffen wieder los.

Nach dem Austritt schwur ich mir, dass sich etwas ändern muss, dass ich etwas gegen dieses tägliche Anschiss-Gefühl machen muss. Doch ich tat es nicht. Ich kiffte weiter und begab mich wieder in das gleiche Hamsterrad, dass ich mir über all die Jahre aufgebaut habe. Ich konnte den Kopf immer noch ganz knapp über Wasser halten. Auf der Arbeit merkten sie nichts, dass es mir innerlich immer schlechter ging.

Ich bin Profi darin eine Maske aufzusetzen. Eine Sunny-Boy-Alles-ist-easy-Maske

Am 28. Juni eskalierte es erneut. Ich war so unzufrieden mit meinem Leben und sah keinen anderen Weg mehr als mich umzubringen. Dies führte zu der Einweisung, an der ich immer noch am „absitzen“ bin.

Aber nun zurück zur eigentlichen Frage: VOR WAS LÄUFST DU DAVON?

Ich laufe vor meinem alten Ich weg, vor dem kiffenden, faulenzenden Andrea, der nichts auf die Reihe bringt.

Ich laufe vor meinem alten Leben weg, in der Hoffnung, dass sich viele neue Türen öffnen, die mich meine Träume verwirklichen lassen.

Ich laufe vor dem Hamsterrad, in das ich mich immer wieder selber hinein bugsiert habe davon.

Ich laufe vor alten Schemas und Denkmuster weg, die mich früher immer wieder in den Abgrund zogen.

Ich laufe vor meinen Enttäuschungen und Rückschläge meines alten Lebens weg.

 

WER VOR ETWAS WEGLÄUFT, LÄUFT IMMER IN ETWAS NEUES HINEIN

Ich hoffe dass sich durch mein Abenteuer viele neue Türen öffnen. Diese Türen können unterschiedliche Formen haben, seien das Menschen oder neue Idee für Projekte.

Ich hoffe ich finde wieder Motivation und etwas, wofür es sich zu leben lohnt.

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