Unsere Gesellschaft

 

Ich ertappe mich tagtäglich, wie ich mich über meine Mitmenschen, die Gesellschaft (also auch über mich selbst) aufrege. Aber was regt mich so auf, dass ich am liebsten irgendwo abgeschieden im Wald hausen würde?

 

Ich habe schon länger das Gefühl, dass ich mit meinem Wesen, mit meiner Denkart nicht hierher, sprich die Schweiz, sprich meinen momentanen Wohnort gehöre. Ich bezeichne mich als Nicht-Gesellschafts-Konform. Oft habe ich eine andere Ansicht, als die grosse Mehrheit. Oftmals ertappe ich mich dabei, wie ich mich aufrege über meine Mitmenschen. Und das möchte ich nicht. Zum einen respektiere ich jeden einzelnen Menschen, so wie er ist und zum Anderen ist das einfach nicht gesund für das Herz. Ich kann einfach nicht hinter der Moral unserer Gesellschaft, wo sich alles nur noch um Geld und Gier dreht, stehen.

Ich muss leider immer mehr feststellen, dass der Mensch verloren hat, was er mal als Empathie oder Einfühlungsvermögen umfasste. Heute will jeder seinen eigenen Kopf durch die Wand bringen, nur die eigene Meinung zählt und sich in andere hineinversetzen ist wie gesagt nicht mehr möglich. Auch das Wort Kompromiss ist vielen ein Fremdwort und mittlerweile gar negativ behaftet. Aber ich bin mir sicher, dass wenn Empathie und Kompromissbereitschaft wieder Einzug in unsere Gesellschaft hält, sich vieles verändern würde.

Auch in den verschiedenen Generationen nehme ich Dinge war, die mich stören. Wir, die Generation Y, die 90's-Kids oder wie wir auch immer genannt werden (ich bezeichne damit die Jahrgänge 1990+) leben in einer Scheinwelt, es geht mehr darum wer man zu sein scheint, als wer man wirklich ist. Man baut sich einen gläsernen Palast aus Facebook, Twitter und Co. der aber so schnell wieder in Scherben zerfallen kann, wenn man erkennt, dass das nur eine Scheinheiligkeit ist. Und mit diesen Scherben ist dann schnell eine Hauptschlagader aufgeritzt. Viele haben komplett den Bezug zu dem einstigen dasein, dem Leben in der Natur verloren. Bezeichnen alles was mit Wald und Natur zu tun hat als schmutzig und somit als schlecht. Was zählt sind die YouTube-Clicks und Instagram-Follower. Jeder will sich als Individuum geben, dabei sind sie alle gleich. Jede hat das Gefühl, das er mit diesen Schuhen und jenem Pullover aus der Masse heraussticht, dabei tragen alle dasselbe. Und sticht dann doch jemand heraus und ist anders, dann ist das ein Opfer. Und was haben wir davon? Einen jährlichen Anstieg der psychischen Ersterkrankungen von unter 30-Jährigen und steigende Zahlen in Sachen Zwangseinlieferung.

Dann zu den mittleren Generationen, den Babyboomers. Danke, dass wir die Welt, die unter eurem Tatendrang verschmutzt, verbaut und radikalisiert wurde, wieder in Ordnung bringen dürfen. Ihr seid das Sandwichkind der Generationen. Auf die 90er mit dem Zeigefinger zeigend, was wir doch alle nichts können und mit dem Blick zu den Weltkriegsgenerationen - zu denen komme ich später noch - herauf schauend, wie besser doch früher alles war. Aber in Tat und Wahrheit habt ihr den Weg für die jetzigen Generationen geebnet. Ihr seid auch ein Stückweit dafür verantwortlich, dass der Druck auf junge Erwachsene durch das Karrieredenken immer mehr steigt.

Dann noch zu den älteren, den Weltkriegsgenerationen. Bestimmt hattet ihr früher noch kein "Drücki-Chästli" und bestimmt wart ihr früher auch nicht die ganze Zeit verkabelt oder am "natelieren". Aber die Zeiten haben sich halt geändert und würden wir immer noch mit dem Standart der 30er Jahre gehen, währt ihr eh alle schon lange Tod. Hart aber ist so. Die moderne Technik hat auch ihre guten Seiten und lässt Tante Emmas Herz regelmässig schlagen.

Es sind aber nicht nur die einzelnen Generationen oder gar Personen die mich diese Gesellschaft so verachten lässt. Es ist das ganze System aus Staat, Gesellschaft, Denken und vielem mehr.

Da wäre das Land Schweiz an sich

Ich kann auch nicht hinter einem Land stehen, dass sich für Gleichberechtigung einsetzt, aber nur die Männer in den Wehrdienst schickt.

Ich kann nicht hinter einem Land stehen, dass für Freiheit stehen soll, dir aber sagt, wie du dein Haus bemalen darfst.

Bis zum 70ten Lebensjahr arbeiten und die Hälfte davon an den Staat abgeben? Nein, definitiv nicht.

Ich möchte mich aus den Fängen der Gesellschaft befreien. Eine Familie, 2 Autos, ein Haus, dieses Bünzli-Leben ist einfach nichts für mich. Ich weiss nicht wieso. Ich möchte nicht den konventionellen Weg gehen von Schule, Ausbildung, Arbeit und dann Familie. Meiner Meinung nach wird man in der Schweiz viel zu fest in ein solches System reingedrängt. Ich möchte mein eigenen Weg gehen.

Es gibt gleichaltrige,die haben bereits ihre zweite Ausbildung hinter sich, sind jetzt "richtig erwachsen". Bestimmt ist das ein tolles Gefühl, und ich freue mich für sie, jedoch hat das Schicksal bis jetzt einen anderen Weg für mich vorgesehen. Ich stecke momentan, arbeitstechnisch in einer Sackgasse, und erhoffe mir von dem Projekt, neue Türen, die sich öffnen. Nebel liest sich rückwärts Leben.

 

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