Quadrat im Kreis


Ich bin kein Kreis, kein Quadrat und auch kein Dreieck, nicht eine meiner Seiten glatt - Prinz Pi


Der Daumen scrollt über das Display und mit jedem neuen Post frage ich mich: Wo bleibt der gesunde Menschenverstand? Da ein Foto von einem Sandstrand mit Palmenblätter, dort ein Foto, in dessen Rahmen sich lachende Gesichter und halbleere Drinks drücken. Meistens wird der für der für die Nachwelt festgehaltene Moment noch von einem Spruch begleitet, der einem Kraft und Stärke schenken soll.

Sehe ich solche Posts, rast mein Puls auf 120 und ich entkomme nur knapp einem Herzinfarkt.

Mit euren Instagram-Posts, mit dem ihr ein ach so schönes Leben vortäuscht, lebt ihr doch völlig an der Realität vorbei. Ein solches Leben voller immer gut gelaunter, gestylter Leute gibt es schlicht und einfach nicht. Das Leben besteht aus Hochs und Tiefs, und ist man einmal erst im Teufelskreis der Tiefs drin, wird es immer schwieriger sich an einen Rettungsring zu klammern. Warum belügen wir uns selbst? So oft und das jeden Tag.

Ich selbst poste selten auf Insta. Vielleicht, oder ziemlich wahrscheinlich, spricht auch die Eifersucht aus mir. Obwohl ich es nicht Eifersucht, sondern eher Wut über mich selbst nennen würde. Alle meine Freunde und Bekannte gönnen sich Ferien, sind auf Reisen oder machen Weiterbildungen. Nicht das ich es ihnen nicht gönnen würde, aber mein ganzes Geld geht für Therapien und stationäre Aufenthalte drauf. Und glaubt mir, die sind verdammt teuer.

Im Moment drehen sich viele meiner Gedanken um meine Zukunft. Wie soll es weiter gehen? Was soll ich arbeiten? Soll ich nochmals eine Ausbildung anfangen? Soll ich eine Weiterbildung machen? Wo wohne ich?  Soll ich eine Therapie machen, die mehrere Monate dauert? Leider, so denke ich, haben sich meine Möglichkeiten durch das, was in den letzten zwei Jahren passiert ist, sehr begrenzt. Noch immer würde ich am liebsten im Frühling meine Wanderung antreten, aber ob ich das schaffen würde, bezweifle ich - Angst - Angst ist das Stichwort, dass mich in diesem Zusammenhang dominiert. Angst auf Leute zuzugehen, Angst, dass mir irgendetwas passieren könnte. Einfach nur Angst. Zugleich dominiert aber auch die Angst, dass ich in meiner Jugend etwas verpasse, dass mich im Alter einholt. Ich möchte Abenteuer erleben. Aber sind diese Abenteuer dann auch so, wie man sich das vorstellt? Ich möchte einfach einmal die pure Freiheit spüren, die ungebändigte Kraft der Natur, ohne Verpflichtung in den Tag hinein leben.

Aber nicht nur dieser ungebändigter Drang nach Freiheit hegt in mir, sondern auch, und das tönt jetzt wahrscheinlich etwas hart, Hass auf die Menschheit.

Wie schon zu Beginn dieses Textes erwähnt, bewegen wir uns in einer Scheinwelt aus Instagram-Posts, scheinheiligem Lächeln und tonnenweise Make-Up. Und Leider schwimmt die gesamte Meute, mich eingeschlossen, mit dem Strom mit. Wir treiben uns voran wie die Lemminge, direkt in den Abgrund. Das aufgesetzte Lächeln und die andauernde Lebensfreude ist bei einem jedem irgendwann vorüber. Ich hoffe für mich, dass mir das Karma irgendwann das zurück gibt, was es mir momentan nimmt. Aber es ist nicht nur die Scheinwelt, in der wir leben. Nein. Es ist auch die Art und Weise, wie wir unseren Planeten behandeln. Eisschmelze, Abholzung und Tiermisshandlung, um nur, um nur ein paar der Umweltprobleme zu nennen.

Das Gesamtkonzept unserer Erde verliert an Potential Rechtsrutsch wo man hinblickt, Klimakatastrophen und Hungersnöte breiten sich immer mehr aus. Die Schere zwischen Arm und Reich reisst sich rasant auseinander. Der Masse geht es nur noch um Konsum und Leistung. Der Druck von Oben steigt stets und niemand traut sich etwas dagegen zu unternehmen. Man könnte ja etwas verlieren. Das ist meiner Meinung nach auch der Grund, warum immer mehr junge Leute an diesem Druck zerbrechen und schlussendlich in Therapie oder im schlimmsten Fall sogar in die Psychiatrie müssen. Aber das Leben da draussen und auf Instagram läuft weiter, und so müssen wir das Spiel weiterspielen

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    La Pioggia (Donnerstag, 08 Februar 2018 00:30)

    Ist so, zum kotzen. In einer Gesellschaft zu leben, die einen quasi zum Misanthropen macht, ist für mich kein Leben. Du kannst so laut schreien wie du willst, du wirst vielleicht sogar gehört, aber nichts wird sich ändern. Es ist wichtig, dass man sich dieser ganzen Kackscheisse bewusst ist. Macht es aber nicht besser, daher finde ich es wichtig, aktiv zu sein. Ich muss mir nur immer wieder bewusst werden, dass ich niemanden ändern kann, erst recht nicht ein System bzw. dessen Gesellschaft. Wir können nicht in einem System leben, ohne ein Teil davon zu sein. Meine Erwartungen versuche ich so tief wie möglich zu halten. Wahrscheinlich erhoffe ich mir so weniger enttäuscht zu werden. Gelingt aber irgendwie auch nicht wirklich. Die Erwartungen an mich halte ich tendentiell hoch. Daher werde ich oft ausgenutzt und verarscht. So viel dazu. Menschen sind scheisse. Ich bin auch einer, du auch. Folglich sind wir auch scheisse.